DIE MEDIENHÖLLE #036 | 100 Jahre Funkturm Berlin
Shownotes
▶︎▶︎ Episode #036 Live-Sendung: 03.09.2026, 21.00 Uhr, für ALEX BERLIN, exakt 100 Jahre nach der Einweihung des Berliner Funkturms Veröffentlicht als Podcast: 10.09.2026, 18.15 Uhr
Funkturm #Radiogeschichte #Berlin #100JahreFunkturm #DIEmedienhölle
▶︎ (00:00) - Historischer Auftakt: Alfred Braun weiht den Berliner Funkturm ein ▶︎ (00:46) - LIVE aus 55 Metern Höhe: Begrüßung und Vorstellung der Gesprächsrunde ▶︎ (02:53) - Der 100. Geburtstag: Sendung aus dem Funkturm-Restaurant ▶︎ (03:33) - 100 Jahre Geschichte: Porträt des Funkturms von der Messe Berlin ▶︎ (04:15) - Warum der Funkturm gebaut wurde: Antennenträger, Funkausstellung und Wahrzeichen ▶︎ (07:07) - Werbemittel für den Rundfunk: Funkindustrie, Messegelände und Tourismus ▶︎ (10:34) - Als Sendemast eine Fehlkonstruktion, als Berliner Symbol ein Erfolg ▶︎ (13:57) - Sanierung, Aussichtsplattform und das restaurierte Art-déco-Restaurant ▶︎ (15:21) - „Im Radio gibt’s heut’ Tanzmusik“: Unterhaltung im frühen Rundfunk Musik: Anton Profes - Text: Hans Fritz Beckmann Refrainsänger mutmaßlich Ernst Harten Orchester Ludwig Rüth (Nicht Ruth, wie irrtümlicherweise behauptet) ▶︎ (16:00) - Als Radio noch vollständig live war: Grammophone, Mikrofone und erste Studios ▶︎ (18:43) - Albert Einsteins berühmte Rede auf der Funkausstellung 1930 (Teil 1) Vgl.: https://youtu.be/sflBO8gvlVs?si=qNUuzNOP4ctzCxJ1 ▶︎ (20:57) - Warum der Funkturm auf Porzellanisolatoren steht ▶︎ (23:50) - Weshalb Albert Einstein über den Rundfunk sprach ▶︎ (25:21) - Albert Einsteins Rede (Teil 2): Radio, Demokratie und Völkerverständigung ▶︎ (27:19) - Vom Radio bis Social Media: Medienutopien, Macht und Regulierung ▶︎ (31:30) - Eine Million Empfangsgeräte: Der Funkturm macht das unsichtbare Medium sichtbar ▶︎ (33:07) - Die „Stimme aus dem Nichts“: Erinnerungen an überwältigende Hörerlebnisse ▶︎ (33:46) - Musikalische Zäsur: „Funkturm Berlin“ ▶︎ (34:58) - Von der Mittelwelle über UKW bis DAB+: Was sich technisch verändert hat ▶︎ (36:51) - Historischer O-Ton: Der Start des zweiten NWDR-Programms auf UKW ▶︎ (38:19) - Zeitzeuge Werner Stresemann über den ersten Berliner UKW-Sender ▶︎ (40:23) - Warum UKW die störanfällige Mittelwelle ablösen konnte ▶︎ (41:46) - Der Funkturm als Demonstrationsstandort für das neue UKW-Radio ▶︎ (42:28) - Die „Welle der Freude“: Wie der Rundfunk lockerer und unterhaltsamer wurde ▶︎ (44:04) - Hat UKW neben DAB+ weiterhin eine Zukunft? ▶︎ (44:55) - Ein historischer Geburtstag und ein emotionaler Moment im Funkturm ▶︎ (45:53) - Der Funkturm in der Kunst – und seine Beinahe-Zerstörung im Krieg ▶︎ (46:48) - Funkturm und Fernsehturm: Zwei Wahrzeichen, zwei politische Systeme ▶︎ (48:41) - Jubiläumsbeleuchtung, Dank und Abschied aus 55 Metern Höhe ▶︎ (49:38) - OUTRO - Historischer Schlager: "Die schöne Adrienne hat eine Hochantenne" (1925) Komposition und Erstsänger: Hermann Leopoldi Text: Wauwau, Pseudonym von Theodor Waldau (eigentlich Theodor Goldberg) Sänger: Tenor Max Kuttner, begleitet von Paul Godwin und seinem Künstler-Ensemble.
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▶︎▶︎ Credits Stationvoice : Lydia Drechsler; https://www.kräuterblütenliebe.de/ Sounddesign für das Grundmotiv: William Wienke; https://william-guitar.de/ Cover: Ingo Römling; https://www.monozelle.de/ Hosts: Philipp Nitzsche und Jörg Wagner Post: post [ätt] medienhoelle [pünktchen] de
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00:00:06: Opener Achtung! Achtungs! Hier ist die Senderstelle Berlin. Vorm Mund zum Ohr, auf dem Strahle der elektrischen Kraft.
00:00:17: Alfred Braun 3. September 1926 stand ich hier zu Füßen des Funkturms und rief hoch hinauf bis zu seiner Spitze: "Funkturm Berlin, wir weihen dich ein! Berliner Jahre kommen und gehen! Sturm wird kommen! Der Turm wird stehen! "
00:00:46: Jörg Wagner Ja, hallo hallo, hier ist Berlin. Wir sind auf dem tatsächlich Funkturm in 55 Metern Höhe im Restaurant. Live am historischen Geburtstag des Funkturms. Wir, das sind:.
00:01:01: Rainer Suckow Rainer Suckow.
00:01:03: Kai Knörr Kai Knörr.
00:01:04: Wolfgang Mühl-Benninghaus Wolfgang Mühl-Beninghaus.
00:01:06: Jörg Wagner Aber wir müssen vielleicht noch sagen, wer ist Dr. Kai Knör? Es ist ein altbekannter Rundfunkhistoriker, der schon auch zu Gast war, als ich noch das Mediamagazin machte. Seinerzeit am 25. März 2023 aus der legendären Sendung hier gegenüber im Haus des Rundfunks, als der Reichsrundfunk sozusagen gleichgeschaltet wurde. Wolfgang Kmühl Benninghaus, wir kennen uns aus der Zeit, als ich noch Theaterwissenschaft studiert habe an der Humboldt-Universität. Du bist Medienwissenschaftler und hast dich seit über 30 Jahren beschäftigt mit radiohistorischen Vorgängen und Details. Und vom Funkerberg, von der Welle 370 Rainer. Du hast noch einen ganz besonderen Bezug, weil ich bin ja eigentlich der Ahnungsloseste von allen hier.
00:01:52: Rainer Suckow Ja, also ich komme ja von der Wiege des Rundfunks, Königs-Wusterhausen, ihres Zeichens. Und wir haben ja auch sozusagen funkhistorische Relikte auf dem Funkerberg und stehen im magischen Kreis des Rundefunks zwischen Königs Wusterhausens als Wiege, zwischen Funkturm als Gebäude und eigentlich Fernsehturm.
00:02:16: Jörg Wagner Genau, aber du bist auch noch Sendetechnik oder hast du mir eine Sendetechnik gelernt, studiert?
00:02:20: Rainer Suckow Genau, ich bin gelernter Facharbeiter für Nachrichtentechnik mit der Spezialisierungsrichtung Funk-, Sende- und Empfangsanlagen. Ich habe in der Betriebsschule der Funkdirektion der Deutschen Post auf dem Funkeberg Sendetechnik gelernt, muss aber dazu sagen, ich habe nie in dem Metier gearbeitet, weil ich bin dann relativ schnell gewechselt in die Studietechnik und später zur Telekom in die Fernmeldetechniker, also von der Warte her richtig gearbeitet habe ich in dem Bereich nicht. Braucht das Wissen aber trotzdem noch regelmäßig, weil ich eben im Museum Funkeberg logischerweise... auch sendetechnische Dinge erkläre.
00:02:53: Jörg Wagner Wir müssen uns bedanken oder wollen uns natürlich bedanken bei der Messe Berlin, die uns diese Gelegenheit hier gegeben hat, am historischen 100. Geburtstag, am 3. September 2026 aus dem Restaurant zu senden, live zu streamen über DAB plus, über den Kanal D12 von Alex Berlin und natürlich über das Internet. Und wir werden, das ist so die Kooperation angedacht, diese Sendung als Podcast veröffentlichen Beim Medienpodcast DIE MEDIENHÖLLE. Und damit wir ein bisschen eingestimmt werden, die IFA hat selber kurz 45 Sekunden eine Zusammenfassung gemacht, was der Funktum eigentlich ist.
00:03:33: Trailer MESSE BERLIN Ein Turm, 100 Jahre Geschichte und 1.000 Erlebnisse. Seit 100 Jahren gehört der Funkturm zur Berliner Skyline. Er wurde von 1924 bis 1926 nach den Bauplänen von Heinrich Straumer errichtet. Das aus Stahlfachwerk errichtete Bauwerk erreicht eine Höhe von 146 Metern und wiegt über 600 Tonnen. Zum 100-jährigen Jubiläum erstrahlt der Funkturm aufs neue, als leuchtender Wegweiser zu den großen Ereignissen der Messe Berlin. Der Berliner Funkturm – ein Bauwerk mit Herz und Seele.
00:04:15: Jörg Wagner Ja, was lässt sich denn tatsächlich über diesen Funkturm sagen, der in der Zeit eben von 1924 bis 1926 gebaut wurde? Aus welchen Gründen und warum erinnert er mich, nicht nur mich, an den Eiffelturm? Weiß da jemand Bescheid, warum der gebaut wurde.
00:04:33: Rainer Suckow Nach Gründe, ich würde mal erstmal die rundfunktechnische Sicht anführen, dass ja, also wenn man sich die Situation in den sozusagen den 20er Jahren anguckt, dann war es so, dass es in Berlin ja den ersten Sender im Voxhaus gab, der mit wenigen 250 Watt anfing zu senden und ungefähr, also vielleicht ein Drittel von Berlin versorgt hat, technisch gesehen, wie gesagt. Und man hat dann ja an verschiedenen Stellen versucht, mehr Sender zu bauen. Und es war ja die erste Funkausstellung, und es war klar, an der Funkaustellung soll auch was gesendet werden. Und so hat man hier erst ein Provisorium errichtet, so ein Mast, wenn ich richtig erinnert bin. Also ich sehe es mal aus technischer Sicht, weil das Entscheidende ist, man muss irgendwo eine Antenne anhängen. Das wusste man ja sehr schnell. Man muss eine Antennen anhängen, die möglichst hoch passend zur Wellenlänge lang ist. Und genau, das ist also grundsätzlich für mich der Funkturm erst mal. Antennenträger. Aber da gab es ja noch mehr Anlässe, aus denen er so gebaut ist, wie er gebaut wurde.
00:05:38: Wolfgang Mühl-Benninghaus Ja, es gibt natürlich, ich meine, es hängt natürlich zusammen mit diesem Begriff des Rundfunks. Rundfunk heißt ja eigentlich, ich sende ein Signal rund um die Welt. Das ging natürlich, das wissen wir von dauernd her, also der großen Funkstation, die vor dem Ersten Weltkrieg ja schon gebaut wurde, der es ja gelungen ist, im März 1914 ein Signal bis nach Windtuck zu senden und für die ja auch bis 1917 bis zum Kriegseintritt in der USA und wieder danach Amerika mit deutschen Rundfunk oder deutschen Nachrichten versorgt worden ist. Das ist dann die eine Linie. Die zweite Linie ist, dass man natürlich ein Wahrzeichen brauchte und wenn du dir die Rede anschaust, die der damalige Minister für Postwesen gehalten hat, wird ganz deutlich. Wir wollen zurück in die Gemeinschaft der Völker. Es ist sozusagen ein Medium, was volksverbindend ist. Und wenige Wochen später, nach dieser Funkausstellung, ist ja Deutschland dann auch in den Völkerbund aufgenommen worden.
00:06:50: Jörg Wagner Dazu muss man natürlich sagen, wegen des Ersten Weltkrieges war Deutschland isoliert, international und Kai, aber deswegen brauchen wir doch nicht einen Funkturm, oder? Das, um da sozusagen jetzt bis nach Windhock zu reichen, war doch in Nauen gerade richtig, ne?
00:07:07: Kai Knörr Ja eben, also es gab ja schon die großen Senderanlagen, es gab eben Naun, es gab Königs Wusterhausen und deswegen ist natürlich eine hochinteressante Frage, warum es diesen Funkturm geben musste. Und es hat tatsächlich auch mit dem Marketing zu tun, das nötig war, um diese deutsche Funkindustrie aufzubauen. Tatsächlich war ja Hans Predow der Vater des Rundfunks, wie er sich selbst hat nennen lassen, ja ursprünglich mal Manager der Rundfunkindustrie bei Telefunken und Man wollte nach dem Ersten Weltkrieg eine zivile Rundfunkindustrie aufbauen und deswegen gibt es das Messegelände bzw. Das Mesegelände war deswegen natürlich der Ort für den Funkturm, weil hier die große deutsche Rundfunkausstellung stattfand, 1924 die erste. Dann hat man eben beschlossen, von hier aus auch funktechnischen Novitäten zu zeigen. Es gab mir hier auch ... Das muss man ja auch als Ensemble denken, also zu dem geplanten Funkturm gab es ja vorher schon eine hölzerne Halle, unten die Halle der deutschen Funkindustrie und dort wurden eben auch Sendeanlagen gezeigt und demonstriert und der Funkturm war dazu gedacht ein Werbemittel auch für diesen neu zu errichtenden, für diese neue deutsche Funkindustrie. Und interessant ist, wir sitzen im Restaurant hier und das ist ja eigentlich bezeichnend. Das Restaurant ist von Anfang an mitgeplant worden. Man schaut ja hier auch in ein sehr beeindruckendes, hölzernes Interieur, in diese Intasienarbeiten der 20er Jahre. Das heißt, es wurde auch gleich zu dieser Vermarktung des Rundfunks mitgedacht, dass hier eben auch eine gewisse touristische Möglichkeit geschaffen wird. Also dieses Restaurant war von Anfang mit geplant.
00:08:46: Jörg Wagner Und es hat in 55 Metern Höhe einen sensationellen Ausblick auf Berlin nicht nur. Und damit man überhaupt an den Tischen bequem in das jetzt nächtliche Berlin gucken kann, sind die Fenster angeschrägt. Und ich habe gelesen, dass die deswegen so aussehen, wie sie aussehen. Weil man sich an die Zeppelin-Architektur angelehnt hat, unter dem großen Helium oder Wasserstoff, wie nach dem Ballon. Waren so eine Gondel und das muss so ausgesehen haben und man hat sich davon inspirieren lassen. Weniger jetzt von Paris, vielleicht von der Konstruktion her, von der Stahlkonstruktion.
00:09:24: Kai Knörr Also hat man hier eher so ein Hindenburg-Feeling. Ich habe hier gerade aufgeschlagen mal so ein Standardwerk zu der Geschichte dieser Sendertechnik von Gerd Klawitter, 100 Jahre Funktechnik in Deutschland und da steht ja also tatsächlich der Hergang, da steht auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1924, hatte die Radioindustrie erstmals in einer Sonderschau für ihre Geräte geworben und damit in der Öffentlichkeit eine hohe Beachtung erzielt. Nach dem Ende der Messe beschloss der Verband deshalb, also die Funkindustrie, im Herbst des gleichen Jahres eine Funkausstellung in Berlin zu veranstalten. Und das war dann der Aufschlag für die 1924er-Funkausstellungen. Die Messegesellschaft wurde dafür gegründet, also das hängt alles wirklich genuin zusammen. Nicht nur die IFA, die hier unten ja gerade auch wieder läuft. Also das alles ist sozusagen als Ensemble von Anfang an gedacht gewesen. Und die Stadt Berlin hat ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 2,5 Millionen Reichsmark. Für den Kauf einer Ausstellungshalle, das war diese hölzerne Halle unten, die dann später abgebrannt ist, und man hat eben dann sozusagen den Funkturm mit geplant. Also das heißt, das Ensemble ist einfach hier entstanden.
00:10:34: Rainer Suckow Genau. Und es gibt ja verschiedene Quellen, die sozusagen sagen, ja, es war ja das Ringen um, ist es jetzt ein Antennenträger oder aber ist es mehr? Und es gab ja sehr schnell die Bestrebung, auch das zu einem Wahrzeichen werden zu lassen. Und es war klar, ein Antennen- träger selber kann kein Wahrzeich sein. Und so ist ja letztendlich auch, um mal wieder auf deine Ursprungsfrage zurückzukommen, so ist auch die letztendliche Form dann entstanden. Ob die jetzt vom Eiffelturm wirklich inspiriert war, weiß ich nicht. Aber zumindest dieses. Restaurant hier war ja das, und die Aussichtsplattform war ja das, was dazu geführt hat, dass es eben diesen Kultstatus und diesen Wahrzeichencharakter kriegen konnte, was ja der technisch gesehen dann wieder dieser Sendefähigkeit ja wieder sprach. Also das muss man dazusagen, letztendlich wurde dann ja in verschiedenen Konfigurationen Antennen hier aufgebaut und es wurde immer wieder versucht, den Standort zu verbessern. Technisch gesehen. Als Antennenträger und technisch gesehen war es eigentlich eine Fehlkonstruktion, kann man fast sagen.
00:11:37: Wolfgang Mühl-Benninghaus Die eigentliche Ausstrahlung ging ja dann von Tegel aus bis 1948.
00:11:41: Rainer Suckow Genau, vielleicht um die Geschichte zu enden zu bringen. Man hat hier eine T-Antenne aufgebaut, die hat nur so mittelfunktioniert. Da gibt es verschiedene Theorien, aber zwei sagen, einmal ist die Wellenlegge des Funkturmes hier genau passend oder unpassend zur Mittelwelle. Das Zweite ist, dass natürlich eine Abstrahlung durch dieses Metallgebäude passiert, sodass der eine Richtwirkung hat und du gar keine richtig schönen Rundstrahler hast. Dann hat man wieder eine T Antenne, dann hat man mit einer Schräg Antenne versucht, das irgendwie zu heilen. Und es hat alles nicht geklappt. Und so kam es dann Ende der 20er-Jahre zum Aufbau des Inderes Tegel, der ja tatsächlich aus diesen Erfahrungen heraus auch diesen Holzturm hatte, wo man in der Mitte eine schöne Antenne anhängen konnte und die dann schön gerade und auch rund gestrahlt hat.
00:12:24: Kai Knörr Wir sind im Jahr zwei eigentlich des Deutschen Rundfunks. Das muss man klar sagen. Wir haben ein komplett neues Medium hier und trotzdem muss man sagen, also um dir jetzt nicht so schlecht zu reden, den Funkturm als Sender, dass der sozusagen als Sendemast ein Flop war, wie hier Gerd Clavitter auch schreibt, als Symbol hat er von Anfang an perfekt funktioniert und das Restaurant, in dem wir hier sitzen, war ja überhaupt die Ursache dafür, dass das ein Flopp war, denn die Versorgungsleitungen, die hier hochgeführt haben, auch damals schon... Die haben ja gerade auch mit dazu beigetragen, dass der Sende-Mast-Funkturm Berlin nicht funktioniert hat. Aber eben als Symbol für den deutschen Rundfunk und für die auch hier erwähnte Elektropolis, also die Hauptstadt der deutschen Elektroindustrie, die ja Berlin war damals auch. Alle großen Elektrounternehmen waren ja hier und haben natürlich den Rundfunk mit aufgebaut. Und dafür hat das als Symbol funktioniert.
00:13:16: Rainer Suckow Und man muss natürlich sagen, für die Messe, also für die Funkausstellung, für die große deutsche Funkaustellung war natürlich das zum, also zur dritten großen Funkausstellung heute vor 100 Jahren die Eröffnung. Das ist immer wieder noch verrückt, dass wir heute hier sitzen. Das muss man sich mal vorstellen, vor 100 jahren ist es alles passiert und da war das natürlich perfekt, weil dadurch hat dieser Aufschwung, der im Rundfunk gerade Das entstehende Massenmedium war gerade durch die schwindelige Rundfunkgebühr auch für viele erreichbar, sag ich mal. Und da ist natürlich so ein Turm schon schön.
00:13:57: Jörg Wagner Und dass wir hier auch so sitzen können, müssen wir uns nicht nur bei der Messe Berlin bedanken, sondern auch bei den vielen Handwerkern, die im letzten Jahr hier die Farbschicht runtergemacht haben. Bis auf den Stahl hinein, mit großen Schleifgeräten das alles runtergeholt und dann noch mal mit vier verschiedenen Lackierungen hier wieder eine Rossschutzfarbe raufgebracht. Dann wurde hier auch, ich nehme mal an, ein bisschen rekonstruiert, weil ich war hier. Vor etwa 25 Jahren, das letzte Mal hier oben, da sah es nicht so schick aus wie jetzt, also der Teppich wird wahrscheinlich auch neu sein. Am besten, man geht auf messen-berlin.de und bucht sich hier einen Platz, weil ich glaube, so einfach so ein Zufallsgast wird hier keinen Platz finden. Aber man kann auch auf die Aussichtsplattform, das Ding ist 146 Meter hoch und auf, ich glaube 126 Meter Höhe ist diese Aussichts-Plattform, da sieht man noch mehr als hier im Café.
00:14:52: Kai Knörr Wenn man hoch hinaus will in Berlin, muss man natürlich nicht unbedingt auf den Funkturm. Aber wenn man 1926er Art Deko, also ein Restaurant, was wirklich das Jahr 1926 repräsentiert erleben will, dann muss man hier schon hoch.
00:15:08: Jörg Wagner Und wir dürfen nicht vergessen, bevor wir gleich zu dem berühmtesten Gast dieses Funkturms kommen, dass das wirklich für Radio optimiert war und deswegen gönnen wir uns mal eine echte Radiomusik.
00:15:26: Musik-Ausschnitt Im Radio gibt es heut'ne Tanzmusik, bleib mal an, stell mal ein, hör mal zu! Denn alle Menschen tanzen heut' ins Glück, voller Schwung, Attentio, dich und du! Wie ein Zauber durch die Sternennacht klingt der Rhythmus, der uns fröhlich macht. Im Radio gibts heut' eine Tanzmusika, bleib' mal an stell' mal ein hör mal du! Denn alle menschen tanzen heute ins Glück voller Schwung, attetio, ich und du.
00:16:00: Jörg Wagner Das war Ludwig Ruht, "Im Radio gibt's heute Tanzmusik", bis heute eigentlich über 100 Jahre gibt's ja den deutschen Unterhaltungsrundfunk und am Anfang hatte man noch Live-Musik gespielt, in Ermangelung irgendwelcher Tonwiedergabegeräte und dann gab's die Grammophonen-Abtastung, wahrscheinlich mit Mikrofonen, ne?
00:16:21: Wolfgang Mühl-Benninghaus Erst mal gab es diese Röhren mit Metallröhren, diese Lautsprecher mit Metallrädern war hier die ersten und ab Anfang der 30er Jahre gibt es die elektronischen.
00:16:35: Rainer Suckow Genau. Also im Prinzip, man hat von Anfang an versucht, natürlich Dinge, die aufgezeichnet waren, auch abzuspielen. Also auch schon die ersten Versuche in Königswusterhausen waren ja mit Grammophonplatte und Indie-Grammophonen in den Trichter dann die Sprechkapsel des Telefons reingefangen. Man kann sich die Qualität vorstellen, die da war, genau. Aber für den Rundfunkbetrieb selber kann man eigentlich sagen, dass am Anfang alles live war. Alles musste live erzeugt werden und das war ja auch einer der Gründe, warum eben das Vox-Haus als erste Sendestelle in Betrieb ging, weil eben die Firma Vox als Schallplattenfirma Erfahrung mit den Künstlern hatte, Bezug zu den Künstlern hatte, die Künstler selber kannten das Haus, den Ort und der Raum da oben war auch entsprechend eingerichtet, wobei ja überliefert ist, dass am Anfang sich alle schwer taten, ohne Publikum und nur vor so einem kleinen Mikrofon zu sprechen, weil sie waren halt die großen Aufnahmegeräte, die Mechanischen vorher gewöhnt.
00:17:30: Wolfgang Mühl-Benninghaus Ja, aber um das noch zu ergänzen, für die Hörspiele haben sich dann die Schauspieler direkt auch noch in den Kostümen verkleidet, die sie auch auf der Bühne getragen haben.
00:17:42: Jörg Wagner Ja, um sie auch besser einzufügen, glaube ich, dass man das imitieren kann. Das kam eben sehr, sehr später, als es dann extra Hörspielstudios gab mit verschiedenen Akustiken und so weiter. Da war die große, ich weiß, wovon ich rede. Ich habe mal tatsächlich als Kind Hörspiele aufgenommen. Da musste man sich tatsächlich mal vorstellen, wie es denn ist, was weiß ich, im Freien zu sein. Und das war die besondere Herausforderung. Aber ich will noch mal zurück ins Jahr 1930. Ich glaube, das war am 22. August, als die Funkausstellung stattfand und da stand am Fuße des Funkturms jemand, den kann man sich auf YouTube sogar in Farbe betrachten, weil nachträglich jemand diesen alten O-Ton, der im Bild festgehalten wurde, während die Einweihung vom 3. September 1926, da gibt es eigentlich kaum was, also schriftliche Dokumente, paar Fotos vom Bau des Funkturms. Aber Einstein ist dort abgefilmt worden und wir hören mal in den ersten Teil seiner Rede hinein.
00:18:43: Albert Einstein Verehrte An- und Abwesende, wenn ihr den Rundfunk hört, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Fantasie des technischen Erfängers. Denkt an Oerstedt, der zuerst die magnetische Wirkung elektrischer Ströme bemerkte. Ein Reis, der diese Wirkung zuerst benutzte, um auf elektromagnetischem Wege Schall zu erzeugen. An Bell, der unter Benutzung empfindlicher Kontakte mit seinem Mikrofon zuerst Schallschwingungen in variable elektrische Strömen verwandelte. Denkt auch an Maxwell. Der die Existenz elektrischer Wellen auf mathematischem Wege aufzeigte, an Herz, der sie zuerst mit Hilfe des Funkens erzeugte und nachliegt, gedenkt besonders auf Liebens, der in der elektrischen Ventilröhre ein unvergleichliches Spürorgan für elektrische Schwingungen erdachte, das sich zugleich als ideal einfaches Instrument zur Erzeugung elektrisch Schwingung herausstellte. Gedenkend dankbar des Heeres namenloser Techniker, welche die Instrumente des Radioverkehrers so vereinfachten und der Massenfabrikation einpassten, dass sie jedermann zugänglich geworden sind.
00:20:30: Jörg Wagner Also im ersten Teil der Rede hat Einstein tatsächlich daran erinnert, dass wir von irgendwoher kommen und dass das nicht aus dem Nichts entsteht und hat wirklich solidarisch geradezu für mich auf diese ganze Tradition verwiesen, bis hin, das müssen wir nochmal würdigen, eigentlich müsste man auch noch die Porzellanmanufaktur irgendwo in Meißen würdigend, ich weiß nicht woher diese Isolatoren vom Funkturm kamen, weißt du da?
00:20:57: Rainer Suckow Ich weiß, dass sie mit Telefunken gezeichnet sind, mit dem Symbol, wo sie jetzt genau hergestellt wurden. Aber sie sind bis heute zumindest für mich aus sendetechnischer Sicht ein Mysterium, weil die Isolatoren befinden sich im Tragwerk. Rein theoretisch könnte der Funkturm damit isoliert stehen, aber sie sind an verschiedenen Stellen sowohl... Unmittelbar im Umfeld, als auch durch das Gebäude selber, ist ja der Funktum geerdet. Also die Isolatoren machen elektrisch gesehen überhaupt keinen Sinn. Und auch da gibt es ja verschiedene Theorien. Die eine sagt, dass er am Anfang vielleicht doch als Sendemast oder als Sendeträger als eigene Antenne sozusagen in Betracht gezogen wurde. Meine wahrscheinlichste Variante ist eigentlich, dass es eine Bauordnung gab, die in der Mitte der zwanziger Jahre entstanden war. Die vorgeschrieben hat, dass hohe, metalltragende Gebäude isoliert stehen müssen. Und darum wurde der auf Isolatoren gestellt. Das würde nämlich auch erklären, warum unser Mast-17 auf dem Funkeberg in Königs-Wusterhausen an der Stelle mal erwähnt, der eineinhalb Jahre älter ist als der Funkturm und darum der älteste Antennenträger in Deutschland. So viel Zeit muss sein. Der steht nämlich interessanterweise auch auf Isolateoren und davon war von Anfang an klar, dass der niemals. Als Antenne fungieren würde, sondern immer nur als Antennenträger, von der Warte bin ich eigentlich der Überzeugung, dass es diese Bauordnungsgeschichte das am besten begründet, warum der Funkturm eigentlich Isolatoren hat.
00:22:36: Kai Knörr Also, ich hätte noch anzubieten, so ein bisschen kulturwissenschaftlichen Schnack dazu. Nämlich, man könnte ja auch sagen, es ist auch die Leistung dieser Industrie, die damit ja gezeigt wird, also mit dieser Elektroindustrie. Wir haben hier 600 Tonnen, die sind auf diesen vier filigranen Füßen drauf, ja, und dann auch noch auf Porzellanfüßen. Also, das heißt, da wird ja auch eine Macht gezeigt, was eine Industrie leisten kann, eine Elektro-Industrie. Und insofern ist es doch ein Teil der Ausstellung, der Inszenierung dieses Bauwerks. Also ob das sozusagen vielleicht 26 noch State of the Art war, immerhin, wenn du sagst, in KW wurde das auch so gebaut, war es vielleicht sogar technologischer Stand. Aber es wird dann sofort auch Teil der Inszernierung natürlich.
00:23:20: Rainer Suckow Und es ist einfach schön, also wer am Funkturm mal ist und sich mal die Konstruktion von unten anguckt, das ist, also man glaubt nicht, wie einfach eine Konstruktion sein kann, die so eine Last trägt. Also das ist wirklich toll. Weiß man denn, warum man gar nicht...
00:23:36: Jörg Wagner Einstein angesprochen hatte, war der berühmteste Berliner, der Ahnung hatte von Funktechnik oder was führte ihn zur 30., nein das war nicht die 30., 1930 zur Funkausstellung?
00:23:50: Kai Knörr Na ja, Einstein war der berühmte Naturwissenschaftler Deutschlands, denke ich mal, zu diesem Zeitpunkt Professor der Berliner Universität und er würdigt hier ja im Prinzip auch die Leistungen seiner Vorgänger bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, bis zur Erster zurück und übrigens das eben auch preist das Radio als eine internationale Leistung an. Also eine Leistung einer sozusagen wissenschaftlichen Weltgemeinschaft. Im zweiten Teil dieser Einstein-Rede soll es ja auch um sozusagen ein völkerverbindendes, transnationales Medium gehen.
00:24:26: Jörg Wagner Das können wir uns mal anhören. Was mich fasziniert hat, als ich die zum ersten Mal gehört hatte, das ist schon irgendwie 30 Jahre her, da war ich hier im Funkturm Radiomuseum. Hier gab es noch eins.
00:24:37: Wolfgang Mühl-Benninghaus Rundfunk-Museum.
00:24:39: Jörg Wagner Und da hatte man mir, ich war damals gerade bei DT 64, kam aus dem Osten und hatte von nix eine Ahnung natürlich von diesem Messegelände. Ich hab's damals nur gesehen vom Balkon, meine Eltern hatten am Tierpark eine Hochhauswohnung mit Westblick. Wir sagten immer, heute gibt's ein gutes Westbild, wenn besonders klar sich der Funkturm abzeichnete. Mit bloßem Auge war es nicht zu erkennen, sondern da hatte ich den Feldstecher meines Vaters von Carl Zeiss dann immer bemüht. Daneben drehte sich immer der Mercedes-Stern jedenfalls. Kam ich da hier an und dann gab man mir die Rede und ich war fasziniert davon, dass Einstein die These aufstellte, dass eigentlich die Techniker es sind, die Demokratie es möglich machen. Hören wir uns mal diesen Ausschnitt an.
00:25:21: Albert Einstein Ich denke auch daran, dass die Techniker es sind, die erst wahre Demokratie möglich macht. Denn sie erleichtern nicht nur das Menschentagewert, sondern machen auch die Werke der weiten Denker und Künstler, deren Genuss noch vor kurzem ein Privileg bevorzugter Klassen war, der Gesamtheit zugänglich und erwecken so die Völker aus schwebriger Stumpfheit. Was speziell den Rundfunk anlagt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen, in dem im Sinne der Völker persönlich. Bis auf unsere Tage lernten die Völker einander fast ausschließlich durch den verzerrenden Spiegel der eigenen Tagespresse kennt. Der Rundfund zeigt sie einander in lebendigster Form und in der Hauptsache von der liebendwürdigen Seite. Er wird zu, dass du beitragst. Das Gefühl gegenseitiger Freundschaft auszuzielgen, das so leicht in Misstrauen und Feindseligkeit umschlägt. Wir dachten in dieser Gesinnung die Ergebnisse des Schaffens, welche diese Ausstellung den
00:26:37: Jörg Wagner Also sensationelle Gedanken, 1930, drei Jahre vor der Machtergreifung der Nazis hier gegenüber, auch im HDR im Haus des Rundfunks, wenn ihr das jetzt, ich meine, ich habe das bestimmt auch schon ein paar Mal gehört, Wolfgang, du bist ja sowieso auch in der Uni, wo Einstein gelehrt hat, jahrelang gewesen, diese Vibrationen und diese geistige Voraussicht und Einfach so in so einen Sendemast einzubeziehen in philosophische, gesamtgesellschaftspolitische Gedanken. Ist das je überhaupt so richtig gewürdigt worden, diese Rede? Oder sind wir nur hier so fasziniert, weil wir radiobesessen sind?
00:27:19: Wolfgang Mühl-Benninghaus Also ich habe die Rede, ich meine mindestens in zehn Publikationen schon gefunden, hab sie natürlich auch zu Hause im Original liegen. Sie ist ja auch im Deutschen Rundfunkarchiv auch nochmal der gesamten Bevölkerung zur Verfügung gestellt worden mit anderen wichtigen. Themen oder Rundfunk durchsagen, was natürlich auch für jemanden, der sich sozusagen jahrelang mit Mediengeschichte beschäftigt, ist natürlich auch diese Utopie, jetzt können wir uns sozusagen original an die Bevölkerung wenden. Diese gleiche Utopien haben wir ja schon mal gehabt, als es die Presse gab Anfang. Jetzt kann mich sofort und jeder kann da teilnehmen und wiederum Auch diese Utopie, jeder, jeder. Wer ist jeder? In dieser Zeit gab es maximal 300.000 bis 400.000 Radiogeräte. Wenn man das mal vier nimmt, also eine Familie mit zwei Kindern, kommt man auch nicht auf mehr als eine gute halbe Million. Das heißt, der Funkturm selbst als auch diese Rede sind natürlich Utopien. Und mit diesen Utopien über Medien, was Medien können, Medien als demokratische Form, Medien als Verständigung zwischen den Völkern etc. Pp. All das sind Utopie, die leider dann drei Jahre später völlig abgeschnitten worden sind. Aber diese Utopi lebt natürlich bis heute weiter. Wir haben sie dann wieder im Internet und mit Podcasts, was wir jetzt hier auch machen, gibt es ja immer wieder diese Form. Ich kann mich direkt an die Bevölkerung wenden, ich kann mit ihr in Kontakt treten, ich kann mit Ihnen sozusagen über alle möglichen Probleme des Alltags, aber auch von Zukunft und so weiter in Kontakt reden.
00:29:19: Jörg Wagner Also das war es im Prinzip heute die Social Media leisten. Dass man selbst zum Sender wird und im Kontakt mit allen auf der Welt sein kann, war damals das Radio quasi wie ein Fernrohr in die Welt, ein akustisches.
00:29:38: Kai Knörr Na zumindest war das genauso dieser heiße Scheiß, wenn ich das mal so sagen darf, 1926, wie Social Media vor 15 Jahren. Und übrigens drehte sich das dann ja auch genauso bald um in eine Dystopie. Also aus der Utopie wird eine Dystopie und die neuen Medien werden immer utopisch begrüßt eigentlich mit diesem Motiv, dass man sagt, Völker verbinden, Unmittelbarkeit, obwohl das ja ein Paradox ist, dass Medien unmittelbar sein können, aber dieser Wunsch nach dem unmittelbaren Kontakt zu allen. Oder zu dem Einzelnen in der Ferne, das wird immer dann in der Realität wird es dann sozusagen ökonomisiert, politisiert und dann auch aus der Utopie eine Dystopie. Es ist ja beim Radio geworden, so ist es beim Internet letztlich geworden, bei den sozialen Medien ist es so geworden. Das muss dann irgendwann domestiziert werden, reguliert werden, in vernünftige Bahnen gelenkt werden und das ist halt beim Radio 1945 folgende passiert.
00:30:34: Jörg Wagner Aber lass uns doch trotzdem nochmal, oder, Wolfgang?
00:30:38: Wolfgang Mühl-Benninghaus Reguliert wurde, Rundfunk hielt schon relativ schnell. Man hat ja sozusagen nach dieser Sendung, die da in Königs Osterhausen kam und vorher schon die kamen, die zusammen mit der November Revolution da stattgefunden haben, wird ja der Rundfang, nachdem er sozusagen halbstaatlich ist, 1925, 1926 ja sofort reguliert. Und es gibt ja um diese Zeit schon 67 Leute, Männer. Die nichts anderes machen, als diesen Rundfunk immer wieder zu kontrollieren und die Sendungen abzuhören. Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Und diese Utopie, die damit auf der anderen Seite bei Einstein da ist, der sozusagen diese freie Entfaltung hat, das ist sozusagen dieser Widerspruch, der von den historischen Fakten besonders stark hervortritt.
00:31:30: Rainer Suckow Also mich fasziniert immer wieder, wenn man sich in diese Zeit zurückversetzt, 26, als der Funktum hier in Betrieb genommen wurde, dass der ja auch Menschen, also wir haben den Funktumen gesehen, die vielleicht das Medium Radio so noch nie wahrgenommen haben. Also es ist schon so, ich habe gerade noch mal gegoogelt, also ungefähr 26 war die erste Million Hörer erreicht, also erste Million Geräte war erreicht, laut Statistik. Das ist aber bei weit nicht alle die logischerweise, das ist ein Bruchteil eigentlich von dem, also deutschlandweit. Das heißt, in Berlin entsprechend weniger. Wie viel hat damals Berlin Einwohnung gehabt? 4 Millionen oder so? 3,5 Millionen. So, genau. Das heißt dieser Funkturm ist auch so ein richtiges Zeichen gewesen für Leute, die es vielleicht noch gar nicht so wahrgenommen haben. Okay, da ist jetzt was entstanden. Vielleicht beschäftige ich mich auch noch mal damit oder vielleicht wäre ich mal aufmerksam damit. Und das, finde ich, geht ja auch von solchen Bauwerken dann aus, dass man die Welle kann man halt, die elektronische Welle, kann man nicht sehen. Sie hat keine Grenzen. Sie breitet sich aus, soweit sie kommt. Aber dass man dann auch so nochmal so einen richtigen Hinweis darauf bekommen hat, das ist eigentlich faszinierend.
00:32:42: Kai Knörr Also dieser Marketing-Effekt, schreckliches Wort eigentlich, das Ausstellen des Rundfunks in Form dieses Funkturms, ist klar. Und dann brauchst du ja damals auch nur ganz, ganz kleines Equipment für dieses Detektorradio, um dann die Stimme aus dem Nichts, aus dem Äther zu hören, die Stimmen, die alle hören. Also das fantastische, dieses Phänomen des Runderfunks, das wurde natürlich mit dem Funkturm auch manifestiert.
00:33:07: Rainer Suckow Also wenn ich noch was sagen kann, was ich, also aus meiner eigenen Geschichte heraus kann ich mich nicht an sehr viele Ereignisse erinnern, die mich total bleibend geprägt haben, was Akustik angeht. Das Einzige, was sie wirklich habe, ist, als ich das erste Mal Stereo über Kopfhörer hörte und das war für mich eine totale Wucht, wie Musik mit einmal anders klingt, wenn man sie quasi über Kopf-Hörer in Stereoe hört. Und wenn ich dann zurück überlege, wie viel anders das für die Leute vor 100 Jahren sein muss. Als das erste Mal an irgendeiner Stelle Musik rauskommt, ohne dass sie vor Ort an dieser Stelle gemacht wird.
00:33:40: Jörg Wagner Ja, und das kann man...
00:33:43: Rainer Suckow Und eine Geschichte erzählt wird. Das ist verrückt.
00:33:43: ... gleich auch nochmal anhören, kleine musikalische Zäsur.
00:33:47: Rainer Suckow Okay
00:34:30: Musik Funktturm Berlin.
00:34:58: Jörg Wagner So, jetzt machen wir einen großen Sprung, würde ich vorschlagen, in die Zeit, als Musik hören wirklich angenehm war, nämlich mit der Ultra-Kurzwelle. Vielleicht Rainer ganz kurz, was ist der Unterschied zwischen Mittelwelle und Ultrakurzwelle?
00:35:11: Rainer Suckow Also erst mal in der Frequenzbereiche, in dem übertragen wird. Also Mittelwelle ist halt eine etwas oder deutlich tiefere Frequenze als die Ultra-Kurzwelle. Und der entscheidende Unterschied ist, dass ich eben bei UKW die sogenannte Frequensmodulation habe. Das heißt, ich habe ein deutlich stabileres und schöner moduliertes Signal, was auch deutlich breitbandiger ist, also viel mehr Klanginhalt hat. Während ich bei der Mittelweelle, sagen wir mal so ungefähr doppelte Telefonqualität habe. Kann ich im UKW heutzutage, kann man das alle quasi, na ich sag mal, nahe zur Hi-Fi transportieren.
00:35:46: Jörg Wagner Und die Alex-Berlin-Hörer hatten ja bis vor kurzem auch das Vergnügen, UKW zu hören. Jetzt der DA plus, der neue Standard, schon seit gefühlt 30 Jahren also habe ich zumindest ...
00:35:55: Rainer Suckow Das noch nicht den gibt es noch nicht ganz so lange aber DAB, digital radio wobei der klang ja dadurch nicht besser wird also ist nun mal ganz klar sagen. Der Klang wird durch DAB.
00:36:06: Jörg Wagner Die Dynamik wird besser vielleichtß.
00:36:07: Rainer Suckow Nee. Eigentlich nichts also die klanglich ändert sich eigentlich eher nichts
00:36:10: Jörg Wagner Aber man muss dazu sagen, warum wir das überhaupt erwähnen heute am 100. Geburtstag des Funkturms, weil nämlich 1950 für Berlin am 1. Oktober zum ersten Mal UKW abgestrahlt wurde. Dadurch, dass hier kein eigenes Funkhaus war, was dieses Programm beliefern konnte, gab es ein Signal, dazu muss man ja sagen, es war ja noch ein Berlin, vom nordwestdeutschen Rundfunk. Und ich konnte im Jahre 2010 denjenigen interviewen, der dieses Programm quasi auf Antenne gegeben hat, durch Einschalten des Senders aus, ich glaube, das kam damals aus Hamburg, ja, vom tatsächlich norddeutschen Teil des nordwestdeutschens Rundfunks.
00:36:51: NWDR Mit etwas mehr Sinn für PATHOS müsste ich jetzt versichern, dass wir einen historischen Augenblick erleben. Die erste Sendung des zweiten NWDR-Programms über die Ultra-Kurzwelle. Dieses Programm soll ein zweites, kein zweitklassiges Programm sein und ein Gegensatzprogramm zur Mittelwelle oder wenn sie wollen auch ein Ausweichprogramm, damit sie meine Hörerinnen und Hörern das Unterhaltende oder das Anspruchsvolle nach Lust und Laune selbst auswählen können und zwar an jedem Abend in der Hauptsendezeit, also von 19 bis 23 Uhr. Dass beispielsweise am Montag dem Sinfoniekonzert der Mittelwelle ein Tanzabend der Ultra-Kurzwelle und am Donnerstag dem Hörspiel der Mittel-Welle ein Konzert schöner Stimmen auf der Ultra Kurzwelle gegenüberstehen. Ich bin sicher, dass es Ihnen Freude machen wird. Eine neue Entwicklung des Rundfunks mitzuerleben und uns von Anfang an auf diesem Weg zu begleiten.
00:37:53: Werbung Gerade diese Geräte werden in unserer Heimat Nordrhein-Westfalen bevorzugt. So haben wir zum Beispiel ständig die Feststellung machen können, dass besonders der Bergmann ein Käufer solcher Geräten ist. Er will während seines Firearms durch ein technisch erstklassiges Rundfunkgerät mit der Welt verbunden sein.
00:38:19: Wolfgang Stresemann Ich bin 1950 zum damaligen NWDR gekommen. Es wurde ein UKW-Sender am Funkturm aufgebaut und ich war die ersten, schon in den ersten Tagen dort, ohne schon angestellt zu sein. Ich habe den Aufbau mitgemacht und dann am 1. Oktober haben wir ihn in den Betrieb genommen. Dann war ich speziell Mitarbeiter beim NWDR und Alleiniger Herrscher in diesem Bereich des UKWs, denn das war ja nur ein Sender, 3 Kilowatt stand da im Zimmer, es war nichts darum herum und alle anderen Anlagen haben wir erst so langsam dazugebaut.
00:39:02: Jörg Wagner Wie sind Sie denn zu der ehrenvollen Aufgabe gekommen, diese UKW-Anlage als erste überhaupt in Betrieb nehmen zu können? Was haben Sie denn vorher überhaupt gemacht?
00:39:12: Wolfgang Stresemann Ich war im Internat und habe dort als Jahresarbeit Bau und Betrieb eines modulierten UKW-Senders gemacht. Also UKW war eigentlich schon eine Erfindung, seit wann? Ja, das hat man vor Kriegen schon, doch war schon verbreitet, bei Militär vor allem. Zivil wurde es noch nicht genutzt. Dann, nach dem Krieg, war ich erst mal selbstständig eine Weile. Ich habe Radioapparate gebaut und Astronauten gebaut und als das nicht mehr ging, weil die Währungsformen dazwischen kamen, da bin ich zum Berliner Rundfunk. Ich war dort als Akustiker und hatte aber auch Freunde, die beim NKDR waren und die haben mich dann dort hin empfohlen und so bekam ich die Aufgabe. Den ersten UKW-Sender in Berlin mit in Betrieb zu nehmen.
00:40:11: Jörg Wagner Was wissen Sie denn von dem Grund, warum hat man das gemacht? Warum hat man nicht einfach die Mittelwelle weiter laufen lassen, sondern sich überlegt, wir müssen jetzt den Hörfunk auf UKW übertragen? Was war der eigentliche Grund?
00:40:23: Wolfgang Stresemann Man konnte mehr Sender über eine Fläche bringen. Es gab zu viele Mittelwellensender. Jeder Sender, der in Europa war, hat mindestens einen Sender auf der gleichen Frequenz gehabt. Abends war es nur noch gemischt. Es war ein Jaulen und Heulen.
00:40:41: Jörg Wagner Da kam dann die Raumwelle dazu, weil wenn es dunkel ist, wird es dann an einer Janosphäre gespiegelt und dann hatte man plötzlich Salat im Radio.
00:40:49: Wolfgang Stresemann Das war der Hauptgrund. Jetzt hatte man plötzlich eine Frequenz, die man ungestört die Sendung übertragen konnte, ob Tag oder Nacht. Man hatte begrenzte Ausstrahlungradien, sodass man die Frequenzen sogar in gehöriger Entfernung wiederholen konnte, ohne dass man befürchten muss, dass es sich irgendwann mal stört.
00:41:17: Jörg Wagner Dass so ungefähr nach 200 Kilometern oder so kann man es...
00:41:20: Wolfgang Stresemann Ja, 200 Kilometer. Also wir waren sehr stolz nach Westdeutschland mit dem Auto fuhren, wenn wir in unseren OKW-Sendern noch eine 80 Kilometer Entfernung empfangen konnten. Aber dann hörte es auch auf.
00:41:34: Jörg Wagner Was wissen Sie denn von dem eigentlichen Bestreben, am 1. Oktober ausgerechnet 1950 am Funkturm diesen Sender in Betrieb zu nehmen? Warum war das dieses Datum? Warum war es nicht ein Jahr später? Warum war's nicht ein ja früher?
00:41:46: Wolfgang Stresemann Nein, es war die erste Industrieausstellung in Berlin. Das war schon ein großes Ereignis, dass überhaupt eine Industrieaustellung in Berlin war. Und der NDR, NWDR hatte ja schon in Hamburg einen Sender und wir gehörten zum NWTR hier in Berlin und wir hatten in Berlin schon ein Jahr eine Versuchsendung mit einem 100-Watt-Sender, glaube ich. Und So hat man das Interesse gehabt, das UKW-Hören dem Hörer vorzuführen, also die Qualität der UKW Sendung.
00:42:27: Jörg Wagner Das ist ein Acht-Demonstrationssender.
00:42:28: Wolfgang Stresemann Ja, das war es unbedingt. Und es hat sich jetzt sehr, sehr schnell durchgesetzt. Im nächsten Jahr schon gab es bessere Empfänger. In dem Jahr gab es noch fürchterlich schlechte Empfänger. Aber es gab bald bessere empfänger, die allerdings unstabil waren bezüglich der Demodulatoren. Aber es war akzeptiert. Dann kam dazu, dass die Moderatoren der Sendung locker waren. Es wurde die Welle der Freude. Bis dahin hat man sehr steife Sendungen gemacht. Auch ein Moderator oder jemand, der ein Interview machte, machte das sehr förmlich und steif. Die Moderatoren begriffen, dass es nicht besser ist, locker zu sein und machten es locker. Und es hieß sehr bald die Welle der Freude, weil es wirklich locker war.
00:43:26: Jörg Wagner Und Sie sprechen jetzt von der Versuchssendung oder schon von dem Programm nach 1950?
00:43:29: Wolfgang Stresemann ... Von der Versuchssendung habe ich selbst gar nichts mitgekriegt.
00:43:35: Jörg Wagner Aber jetzt nochmal, das war jetzt nicht das Programm, was offiziell auf Mittelwelle abgestrahlt wurde, noch mal parallel auf ...
00:43:41: Wolfgang Stresemann Das war vom NDR, kam aus Hamburg, NWDR Hamburg, der hatte schon ein UKW-Betrieb und hat zu uns wollen das übertragen, also kam die Erladung und wir haben dann dieses gleiche Programm wie der NWD Hamburg gehabt, bevor wir nachher ein eigenes Studio-Programm machen.
00:44:04: Jörg Wagner Die momentane Entwicklung geht ja hin, so zumindest seit 20 Jahren möchte man es immer wieder durchsetzen zum Digitalradio. Aber UKW ist immer noch so mächtig, so etabliert in den verschiedenen Haushalten, dass das ziemlich schwierig ist. Wie beurteilen Sie die Entwicklung? Ist UKW sozusagen der Standard, der auch noch die nächsten Jahre durchaus seine Berechtigung hat?
00:44:31: Werner Stresemann Ich habe noch keinen besseren Standard gesehen. Ich glaube unbedingt, dass es weiterhin Sendeberechtigung hat. Es mögen andere Dinge kommen und andere Sendemöglichkeiten und Frequenzen, Abstrahlungsmöglichkeiten, aber die müssen erst mal besser sein als UKW. Und UKW hat es noch unschlagbar gut.
00:44:55: Jörg Wagner Ich muss noch nachreichen, mit wem ich da eigentlich gesprochen habe, mit Oberingenieur Werner Stresemann. Der ist inzwischen leider verstorben, der war damals schon 91 oder so. Wir werden auch nicht den zweieinhalbsten Geburtstag dieses Funktums erleben. Ist euch das bewusst, dass wir hier am historischen Platz zu einer historischen Zeit sind? 100 Jahre Berliner Funktum?
00:45:17: Rainer Suckow Heute um diese Zeit, er war ja auch beleuchtet, haben Berliner den Funkturm gesehen und haben sich vielleicht gefragt, was ist denn da, da gehe ich mal gucken und das ist schon, also nochmal vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben, dass wir hier heute sitzen können und uns mit dem Funkturm beschäftigen können und Rundfunk machen können quasi mit den technischen
00:45:34: Jörg Wagner mit den technischen Fähigkeiten, die man heute hat, mit dem Internet und der Klimaanlage im Hintergrund, dann ist hier ein Konzert auf dem IFA-Gelände, was bis hier hoch wummert, vielleicht haben Sie das im Hintergrund, habt Ihr das gehört, dass es nicht ein ganz akustisch reiner Raum war?
00:45:48: Rainer Suckow Aber es ist ein großer emotionaler Augenblick, finde ich persönlich, sowas machen zu dürfen.
00:45:53: Kai Knörr Ich habe übrigens noch was schönes mitgebracht, nämlich die Funkturmsprengung.
00:45:57: Rainer Suckow Ach.
00:45:58: Kai Knörr Tatsächlich ist der Funkturm zumindest in der bildenden Kunst von Matthias Koeppel 1996 schon mal gesprengt worden.
00:46:04: Jörg Wagner Warum denn das?
00:46:05: Kai Knörr Einfach so, er hat so Berlin-Motive gemacht, das ist ja die, also fantastischer Maler, neue Prächtigkeit heißt dieser Stil und Koeppel hat eben einfach mal die Sprengung des Funkturms imaginiert in so einer Reihe von.
00:46:18: Rainer Suckow Wobei man sagen muss, dass er ja heute steht, ist ja ein großes Wunder, eigentlich mehrfach. Er hat ja auch gelitten. Es ist ihm ja fast ein Bein abhanden gekommen, ja. Und dass das alles so gerettet werden konnte und dass die... Wie so Bein? Ja, aber glaube ich, zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist es ja, ich weiß nicht, durch einen Brand oder durch irgendwas so, ist doch die Konstruktion unten kaputt gegangen und da war quasi ein Beinn fast ab von den dreien. Und dann muss es erst provisorisch gerettete und dann richtig geretteter werden und so. Das ist also auch ein großes Glück, ein großer Glücksumstand, dass das Ding heute so steht, wie er steht.
00:46:48: Jörg Wagner Ja, aber vielleicht noch was zur, ich sag mal mehr, also ist ja ein Symbol geworden, ein Stadtsymbol, ganz klar. Es gibt dann auf der anderen Seite den Fernsehturm, der, ich weiß nicht, deswegen wahrscheinlich größer ist, weil Ulrich meinte, man muss hier größer, schneller, höher weiter.
00:47:05: Rainer Suckow Je höher die Antenne kommt, desto besser. Und es war ja letztendlich auch schon von vornherein klar, dass der Fernsehturm obendrauf in der Spitze Antennen haben wird. Also der Standort ist ja gewählt worden, auch weil er so gute Sichtachsen hat und so auch zum Beispiel aus Westberlin gut sichtbar war. Das war ja so ein bisschen so ein Standortding.
00:47:23: Jörg Wagner Na, ich hab wieder gehört, dass Ulbricht ursprünglich auf dem Mont Klamott stehen sollte.
00:47:27: Wolfgang Mühl-Benninghaus Genau.
00:47:29: Jörg Wagner Und dass Ulbricht den genommen hat vom Modell und sagt, nö, genau hier, und zack, hat er den einbauen Alexanderplatz gestaltet.
00:47:36: Rainer Suckow Das halte ich für eine Mär.
00:47:37: Jörg Wagner Wolfgang?
00:47:37: Wolfgang Mühl-Benninghaus Das war so. 1969, als der Fernsehturm eröffnet worden ist, gab es ja 14 sozialistische Großstädte oder Stadtzentren, die gebaut worden sind. Und das wichtigste Zentrum war natürlich der Alex. Und damit musste natürlich auch ein Wahrzeichen weit über die Stadtgrenzen hinaus gesetzt.
00:48:00: Rainer Suckow Alexanderplatz sozusagen?
00:48:01: Wolfgang Mühl-Benninghaus Ja, Alexanderplatz. Und deswegen musste der da hinkommen. Auf dem Mont Klamott wäre sehr, sehr viel billiger gewesen, der Bau, weil unendlich viele Kabel und so weiter, die alle verlegt werden mussten und so weit. Und es wurden natürlich auch viele Häuser abgerissen, um das Ding zu bauen. Und deswegen ist er sozusagen das Gegenmodell zu dem, was wir heute gerade sehen.
00:48:26: Jörg Wagner Aber Berlin verträgt zwei solcher Türme. Dann haben wir noch den Schäferberg, den den UKW-Sender, also auch Fernseh- und UKW Sender.
00:48:33: Wolfgang Mühl-Benninghaus Und der war ja gedacht als Verbindung zwischen Braunschweig und Berlin. Genau.
00:48:41: Jörg Wagner Ja, 100 Jahre Berliner Funkturm, die Funkstunde, die wir jetzt hier gerade erlebt haben live aus dem Restaurant des Funkturms, ist schnell vorbeigegangen. Wer denn gute Sicht zum Funktum hat, müsste eigentlich zur Stunde auch irgendwie sowas wie eine Lichtshow sehen. Man hat uns gesagt, von der Messe Berlin zum Geburtstag wird wieder illuminiert.
00:49:04: Rainer Suckow In den Fenstern sieht man so leicht rot-orangen, magentafarbenden Ton. Das könnte also diese Illumination sein, die von unten scheint.
00:49:10: Jörg Wagner Wir werden jetzt runterfahren mit dem Fahrstuhl wieder und wir bedanken uns für die geschätzte Aufmerksamkeit und wir haben es schon gespürt. Es gibt so ein paar Funk-Nerds, die uns hier die Vibration geschickt haben und diese Sendung darf natürlich nicht zu Ende gehen? Rainer?
00:49:29: Rainer Suckow Ja, genau. Ohne darauf hinzuweisen, dass wir morgen um 15 Uhr auf dem selben Kanal direkt von der IFA aus dem Content Creator Hub senden werden.
00:49:38: O-Ton Vergessen Sie nicht Ihre Antennen zu erden.
00:49:41: Musik Wo man geht, wo man sitzt, umwundet, ist vom Radio heute nur die Rede. Von Pendenloch bis Hochdur-Mann-Gar ist alles drin, Pernar. Manche Mädchen schon schlafen Zeitgleich ins besten Empfangsbereich. Sie genießt mitten vor ihren lieblingsen Ohr, vorigt uns allideal. Die schöne Adrienne, Kindratatatatata Radio, auf aller Herrenländer. Tut ein junger Mann selten immer! Wer kommt ihm an? Marzellemund und wie es heutzutrag Rani Joan klug auf. Dann vertagt, trifft er unbefragt Keinen Freund, dem sein Leid erblacht. Der hat voll fröhlicher Hass In mein Arm gleich gebast Und nur ich weiß, was dir passt. Schöne Adrienne! Schildratatatatata Radio! Das eine Hofantenne! Schildrataatatataradio! Auf aller Herren Ländern! Schildraatatatta Radio! Empfängt die wunden Sender! Ta-ra, ta-ra Ta-rra Ijo
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