DIE MEDIENHÖLLE Dokument #008 | Klaus Bresser

Shownotes

▶︎▶︎ Episode #008
Veröffentlicht: 12.10.2026, 09.00 Uhr

▶︎ (00:00) - Klaus Bresser: Nachruf auf einen prägenden Fernsehjournalisten
▶︎ (00:32) - Vom WDR zum Gründungsmitglied des heute journals
▶︎ (01:16) - Der Seitenwechsler: Vom ZDF zu n-tv
▶︎ (02:05) - Rückblick: Klaus Bressers Abschied als ZDF-Chefredakteur
▶︎ (02:37) - Dieter Stoltes Überlegungen zur Teilprivatisierung des ZDF
▶︎ (04:35) - Das ZDF im digitalen Medienwandel
▶︎ (06:08) - Abschied vom Chefredakteursposten und journalistischer Neuanfang
▶︎ (08:37) - Warum Klaus Bresser Journalist wurde
▶︎ (09:22) - Vom Kulturjournalismus zur politischen Berichterstattung
▶︎ (10:13) - Distanz zur Macht und zu den Politikern
▶︎ (11:08) - Haltung, Kritik und journalistische Unabhängigkeit
▶︎ (12:13) - Klaus Bressers Kritik am dualen Rundfunksystem
▶︎ (13:50) - Publizistische Pläne nach dem Ausscheiden beim ZDF
▶︎ (14:31) - Der Wechsel zu n-tv und „Talk in Berlin“
▶︎ (15:45) - Warum n-tv für Bresser eine neue journalistische Rolle hatte
▶︎ (17:32) - Konkurrenz, Verratsvorwürfe und Erwartungen an die Quote
▶︎ (19:10) - Der alte Bresser-Journalismus in einem neuen Sender
▶︎ (19:30) - Kritik aus dem ZDF und Bressers unbequeme Frage an Helmut Kohl

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00:00:00: Bresser war wesentlich an der Grundkonzeption des Heute-Journaals beteiligt und er durfte jahrelang von diesem Platz aus Gast sein bei Ihnen allen zu Hause.

00:00:10: Ein Privileg damals

00:00:12: wie heute!

00:00:16: Kürze Sie zu einer grünen Ausgabe des Medien-Podcasts,

00:00:20: die Medienhölle.

00:00:21: Grün das heißt mit Schwerpunkt Dokument.

00:00:25: Diesmal anlässlich des Todes des Journalisten Klaus Bresser am siebten Oktober, im Jahr zwanzig.

00:00:32: Klaus Pressers Fernsehkarriere begann beim WDR in Köln.

00:00:35: Der gebürtige Berliner moderierte in den Siebzigerjahren das Politmagazin Monitor.

00:00:41: Im Dezember nineteenhundertsieben und siebzig dann der Wechsel zum ZDF.

00:00:48: Willkommen

00:00:49: zum heute-journal.

00:00:50: Als Moderator und später als Redaktionsleiter war Ergründungsmitglied des Heute-Journals Mitte der Achtzigerjahre.

00:00:57: ZDF.

00:00:58: Innenpolitik-Chef Klaus Bresser entwickelte die Sendereihe, was nun?

00:01:02: Sie wird zum Klassiker der politischen Interviewsendung.

00:01:06: Guten Abend meine Damen und Herren, guten Abend Herr Schilly.

00:01:09: Was nun Herr Schilli?

00:01:10: Ab aus dem Jahr habe ich von den Jornalistischen Formaten verantwortlich.

00:01:16: Soweit ein Zitat aus dem Nachruf des ZDF am zehnten Oktober.

00:01:23: ZDf-Indendante Dr.

00:01:24: Norbert Himmler schrieb in einem Statement, wir trauern um einen entschiedenen Verfechter des öffentlich rechtlichen Informationsauftrags.

00:01:34: Nicht erwähnt wurde, dass Klaus Bresser zwei Jahre nach seiner Verabschiedung als ZDF-Chefredakteur nicht mehr der entscheidende Verfechter des öffentlich rechtlichen Informationsauftrages war und die Seiten wechselte.

00:02:05: Er moderierte dort bis zum Jahr drei bei einem privat kommerziellen Nachrichtensender NTV die wöchentliche Sendung Talk in Berlin.

00:02:13: Bevor es dazu kam, hören wir ihn als ich Klaus Bresser mit dem Ausscheiden als ZDF-Chefredakteur am ersten April zweitausend Interviewen konnte!

00:02:23: Um den Anfang dieses Tondokuments verstehen zu können, müssen wir den damaligen Intendanten Dieter Stolte zitieren denn es war eine Zeit als man im ZDF offen über eine Teilprivatisierung nachdachte.

00:02:37: Wir können die Aufgaben von heute und morgen nicht mit den Lösungsansätzen und mit den Denkmodellen der Vergangenheit vornehmen, sondern wir müssen immer dort auch wenn es ungewöhnlich ist auch anfangen darüber nachzudenken.

00:02:53: Ich sage das zum Stichwort Börse kann nicht auch in einem begrenzten Umfang jedenfalls ein outgesorster Unternehmensteil, der mit privatrechtlicher, privatwirtschaftlicher Tätigkeit ausgestattet und im Konkurrenzbereich vergleichbar ist.

00:03:12: So etwas machen diese.

00:03:14: ich stelle die Frage.

00:03:16: Ich kündige nicht den Börsengang an sondern ich stlle die Frage.

00:03:19: Und mit dieser Frage muss man sich auseinandersetzen und muss nicht nur Die Chancen sehen, sondern selbstverständlich auch die Gefahren sehen.

00:03:30: Und wenn es Gefahren gibt darüber nachdenken wie man sie eliminieren kann.

00:03:34: um zu einer Antwort zu kommen Ja das wäre ein Lösungsmodell.

00:03:39: Am Tag darauf entstand dieses Audiointerview mit Klaus Bresser.

00:03:44: Also so gerne ich Chefredakteur war

00:03:48: So sehr freue

00:03:49: ich mich auf die

00:03:49: Zeit danach.

00:03:50: Ich bin ein Journalist, war das von früher Jugend

00:03:54: an?

00:03:55: will es auch bleiben?

00:03:56: Das ist ja das Privileg

00:03:57: dieses Berufs, dass man einfach weitermachen kann.

00:03:59: und da will ich schreiben

00:04:01: herausgeben

00:04:02: aber es ist noch nicht so sprachhaft als sich vor dem ersten April

00:04:06: darüber reden.

00:04:08: Ja, da haben wir ja richtig Glück.

00:04:09: Der erste April ist heute Herr Bresser das waren Sie vor einer Woche in der Sendung Johannes Wekerne.

00:04:14: ich freue mich dass es nun geklappt hat sie sich am Telefon haben aber heute müssen Sie nun keine rücksicht mehr auf Ihre Position nehmen.

00:04:19: guten Abend.

00:04:21: Wie klingt das in Ihren Ohren was Professor Dieter Stolte ankündigt denn?

00:04:24: Was wir eben hörten Dass das ZDF überlegen muss wie man sich in Zukunft finanzieren könne.

00:04:31: werden Sie zum Beispiel zdf täuchter Aktien erwerben Herr Bresser?

00:04:35: Naja, wenn es sie denn gäbe ich würde aufs TDF eine so große, so erfahrenen Anstalt setzen.

00:04:43: Aber es gibt sie ja noch nicht.

00:04:45: wir versuchen uns mit eher bescheidenen Mitteln zu wehren im immer heftiger werdenden Wettbewerb.

00:04:53: der ist ja gekennzeichnet durch Megafusion und strategische Allianzen und große Konzerne Machen uns das Leben schwer, Konzerne die in der Lage sind Verwertungsketten aufzubauen wie wir das gar nicht können.

00:05:05: Wir haben einen Kanal ein Programm Die können Bücher herausgeben dann den Kinofilmen Dann Videos dann PTV Internet machen Free TV Das alles sind Vorteile bei Produktion und beim Erwerb der Rechte Und bei deren Verwertungen dann die wir gar nicht haben.

00:05:26: Sie sagten, sie haben einen Kanal.

00:05:27: Aber es deutet sich an das ZDF wird nicht nur einfach nur ein Fernsehsender bleiben können.

00:05:32: Es wird ein Medienunternehmen werden.

00:05:34: dann ist kommt ja auch Eurosport mittlerweile ich glaube seit gestern im digital Bokeh.

00:05:39: also da entwickelt sich was

00:05:41: Da muss sich was entwickeln.

00:05:43: Die Welt wird digital und das Fernsehen und ein solcher Sender muss sich damit ändern, über die Boxen wird künftig zu jeder Zeit das abrufbar sein, was der Zuschauer sich wünscht.

00:05:59: Und da wird das ZDF dabei sein mit diesen Bouquets, mit einigen Angeboten.

00:06:05: dazu gehört auch Euro Sport und Euro News.

00:06:08: Herr Wasser, Sie mussten gehen als ZDF-Chef für das Kurs Altersgründen wie ein Pilot oder einen OP-Arzt.

00:06:13: Weil die Zeit dran war in einer... Nein ich wollte

00:06:16: auch zu diesem Zeitpunkt gehen.

00:06:18: Ich bin ja noch nicht ganz so alt dass man vom Pensionsalter reden könnte sondern mich hat heraus gefordert nochmal was Neues zu machen im Anschluss an die zwölf Jahre, zwölflange Jahre der Chefredakteur ist zahlt.

00:06:32: Aber das ist jetzt so die Umbruchsphase wo es deutet sich an der massive Wandel der Internet-Technologie auch sich auf das Fernsehgeschäft auswirken wird.

00:06:40: bedauern sie nun nicht mehr direkt dabei sein zu können?

00:06:43: Also wir werden ja den Fernseherun erhalten bleiben muss man dazu sagen Sie werden was nun weiter

00:06:47: moderieren.

00:06:48: eben und ich bleibe Journalist dass was ich gelernt habe und was ich vielleicht manchmal ganz gut kann und ziehe mich nur zurück aus all dem, was mir gar nicht so gut gefallen hat.

00:06:59: Aus der Verwaltung, aus der Personal- und Finanzpolitik... Ich glaube gerade in diesem neuen Markt ist es gut sich mit neuen Leuten der Markt macht, der andere zu

00:07:12: erwähren.".

00:07:14: Ja Sie deuteten das an dieser ganze Papierkram

00:07:16: usw.,

00:07:17: ist das vielleicht auch woran das öffentlich rechtliche System krankt?

00:07:22: Was heißt krankt?

00:07:23: Wir sind nicht besser ausgestattet, wir haben nicht die Möglichkeiten und Mittel der anderen.

00:07:30: Und wir müssen mit dem zurechtkommen was wir haben glauben allerdings dass dazu nicht nur das Gebührengeld sondern auch das Geld als Werbung und aus Bonsering gehört und sind insbesondere der Meinung dass wir alles das was wir im online Bereich machen irgendwie finanziert gehört und das geht dann auch nur aus Werbung.

00:07:51: Wenn uns das im Augenblick, auch nach den jetzigen Vorstellungen verboten ist so ist meiner Meinung, dass nach das so, dass es nicht so bleiben kann.

00:07:59: Das meinte ich eigentlich so nicht mehr in der Frage.

00:08:01: Ich meine eher das administrative, das schwerfällige diese großen Tanker-AD und ZDF die sich auch viel mit bürokratischem Zeugs herumkämpfen müssen eh sich eine Idee wirklich durchsetzt auf dem Sender ist manchmal vielleicht schon alt?

00:08:14: Natürlich ein Das ZDF oder die ARD, das kann keine Anstalt bleiben.

00:08:20: Es muss ein Unternehmen werden und dabei sind wir.

00:08:23: es geht bei uns ungleich unternehmerischer zu als in den bürokratischen Vorzeiten.

00:08:30: Aber da können wir sicherlich noch an Beweglichkeit dazulernen.

00:08:34: Ich hätte nichts anderes werden können als Journalist.

00:08:37: Sagt der Klaus Bresser und sagt er wahrscheinlich noch immer Herr Bresser was reiht sie wirklich am Journalismus?

00:08:42: Dass Sie schon als Kind Ja, die ganze Verwandtschaft unterhalten haben mit zwölf eine Wochenzeitung herausgegeben und bis heute diesen Job treu geblieben sind.

00:08:52: Ich weiß nicht.

00:08:52: das muss ein unbändiges Mitteilungsbedürfnis sein und das in schriftlicher Form.

00:08:57: Und was reizt mich sonst am Journalismus?

00:09:00: Es ist einer einen Beruf der Neugier verlangt Und der vor allem, und das ist das große Privileg nie langweilig wird.

00:09:11: Er bleibt immer abwechslungsreich man läuft nie in den ausgetretenen Faden dann ist ständig heraus gefordert mit Dingen die ein seines Lebens noch nicht beschäftigt haben.

00:09:22: Ich kenne sie eigentlich nur als politischen Journalisten.

00:09:25: im Heute-Journal habe ich Sie in früheren Jungen schon gesehen.

00:09:29: waren Sie von Anbeginn schon politisch interessiert?

00:09:32: Nein!

00:09:32: Ich hab Germanistik der Wissenschaftssoziologie studiert und habe viel Filmkritik, Theaterkritik zu Beginn gemacht.

00:09:42: Drehte mich da wie ich fand im Kreise und bin dann immer mehr zur Reportage übergegangen und darüber zur Politik.

00:09:49: das war ein kurzer Weg.

00:09:51: anfang meiner zwanziger Jahre war dann schon mit Mitte zwanzig Schäferport einer Tageszeitung und war da dann schon unterwegs, langes Zehr.

00:10:01: Mit Kennedy durch Deutschland, mit De Gaulle durch Europa, mit Großschlaf durch die DDR... Und das faszinierte dann dieses politische und immer wieder neue Leben!

00:10:13: Ist das aber nicht eine Tätigkeit mit vielen Abhängigkeiten?

00:10:16: Also ich habe mich mal mit Bonnack Hausmann enthalten, als die Regierung noch dort saß und die sagten, da bildet sich dann so ein eigenes Klima heraus.

00:10:22: So ein Art Gewächshaus gibt es also auch mal Informationen und dann schont man den anderen... Da wird man auch verführt sicherlich wenn man am Nektar der Macht nippt.

00:10:33: Ja, ich war ganz froh ehrlich gesagt nie in Bonn arbeiten zu müssen und bin es vielleicht jetzt auch nicht direkt im Berlin am Regierungssitz tätig zu werden.

00:10:45: Weil dieser gewisse Abstand den man dann halten kann – ich früher aus Kölner und später aus Mainz – der hat dem Beruf dann doch gut getan.

00:10:54: Mein Grundsatz lautet den Abstand zu den Ereignissen verkürzen und den zu den Politikern vergrößern Und das ist so ganz gut gelungen in der Zeit, meine ich.

00:11:06: Die ich jetzt Chefredakteur war.

00:11:08: Hans-Jauim Fries hat es mal noch krasser formuliert.

00:11:10: aufgrund seiner BBC-Zeit sagte er man soll sich nicht mit einer Sache gemein machen.

00:11:15: aber gibt es nicht auch Themen?

00:11:16: da muss man einfach als politische Journalist Stellung beziehen?

00:11:20: Natürlich, aber Gemeinmachen heißt ja sich fanatisch für eine Sache einsetzen und eins werden mit ihr.

00:11:31: Das ist was anderes als eine Sache genau darstellen und unter Umständen scharf kritisieren.

00:11:39: Welche wichtigste Erfahrungen haben Sie gemacht in Ihrer Zeit?

00:11:41: Als Chefredakteur vielleicht sogar oder überhaupt als Journalist?

00:11:46: Ich glaube die wichtigste Erfahrung Politiker sich beeindrucken lassen doch von Professionalität, auch von Kritik.

00:12:00: und dass wenn wir manchmal ängstlich wirken das davon darf ich mich gar nicht abbringen wie es eher selber schulzelt sind als andere die vielleicht Druckerfuss auf uns ausüben.

00:12:13: Wenn sie die Macht hätten irgendetwas an dualem System zu ändern was würde ihnen da als erstes einfallen?

00:12:20: Tja, ich würde vieles nicht sehen was da heute so über den Schirm läuft.

00:12:25: Sie spielen an Big Brother an aber vielleicht grundsätzliche Strukturen?

00:12:30: Können Werk bin ich das sich ändern könnte?

00:12:35: oder wer sind wir alle?

00:12:36: Da gilt der freie Markt und er ist ein Markt der im Zwischen ausgeartet ist in einem zum Teil Vernichtungsfeldzug der privaten untereinander Und da werden Mittel angewandt, die ich für indiskutabel halte.

00:12:56: Aber kann man das mit Strukturen?

00:12:59: Kann man es mit Gesetzen ändern?

00:13:01: Aber vielleicht ist ja der Sinnenfall die Einführung der Marktwirtschaft in das Rundfunksystem gewesen – mit dem dualen System

00:13:06: schlechthin.

00:13:07: oder glauben Sie dass das zum Vorteil der Zuschauer war?

00:13:12: Ich glaube, dass die freie Marktwirtschaft in allen Branchen ein Heil ist bis wahrscheinlich auf unsere, weil ich glaube es ist was anderes Meinungen Nachrichten zu verbreiten oder Margarine oder Kochtöpfe zu verkaufen.

00:13:32: Ich denke hier ist einfach mehr Verantwortung im Sinne des Zuschauers verlangt und deshalb glaube ich war das die Einführung des dualen Systems also des Privatfernsehens Nicht von Heil.

00:13:50: So was Ähnliches auch in Ihren Memoaren finden Sie?

00:13:53: Ich habe gehört, sie wollen etwas schreiben!

00:13:55: Ja ich werde es verschreiben aber das muss ja nicht unbedingt über mich sein.

00:13:59: Es gibt ein Buch übers Fernsehen dass ich vor Einigen Jahren geschrieben hab.

00:14:04: Das würde ich jetzt nicht wieder aufnehmen Sondern ich denke mehr daran zu publizieren In Zeitungen und Zeitschriften.

00:14:10: Und dann wollen wir mal weiter sehen.

00:14:12: Wann können wir das nächste von Ihnen sehen?

00:14:14: hören?

00:14:14: lesen

00:14:15: Ja, jetzt schon ganz bald.

00:14:16: Sehen.

00:14:17: vor allem ist ja so dass mein erster wirklich freier Tag am kommenden Montag darin besteht das ich instate erfahre und eine Sendung vorbereite die dann am Mittwoch ausgestreit wird nämlich was nun herstäuber

00:14:32: Darauf wollen wir uns... Das war Klaus Bresser nicht im Ruhestand aber nicht mehr Chefredakteur.

00:14:36: Schönen Dank und guten Abend!

00:14:38: Rund zwei Jahre und vier Monate später sah man dann Klaus plötzlich und unerwartet beim Privatkommerziellen-Nachrichtensender NTV, die Sendung Talk in Berlin moderieren.

00:14:50: Ich konnte ihn wenige Tage vor dem Sendestart dazu interviewen am vierzehnten August zwei Tausendzwei.

00:14:57: Ich glaube ich bin ein Junkie süchtig nach Neuigkeit, Nachrichten, nach

00:15:01: Politik.

00:15:02: Ich kann nicht aufhören neugierig zu sein Und Neugier ist sicherlich auch eine Sucht.

00:15:08: und jetzt bei NTV bekomme nachzugeben.

00:15:14: Klaus Bresser, als wir vor zwei Jahren miteinander telefonierten, sagten Sie das ist die Chance nochmal was ganz Neues anzufangen?

00:15:22: Nun ist

00:15:22: ja eine Talkrunde zu moderieren für sie überhaupt nichts

00:15:25: Neues!

00:15:26: Warum machen Sie es denn noch?

00:15:28: Es sind so weit neu, als ich bisher mit etwas nun eine Sendung hatte, die einmal im Monat im Programm war.

00:15:36: jetzt ist es wöchentlich

00:15:37: und jetzt

00:15:38: ist in der Hauptstadt.

00:15:40: also ich finde dass schon eine neue Herausforderung.

00:15:45: Nun haben Sie aber auch gesagt in diesem

00:15:46: Telefoninterview, ich glaube dass die freie Marktwirtschaft den allen Branchen ein Heil ist

00:15:51: bis wahrscheinlich auf unsere weil ich glaube es ist etwas anderes Meinungen Nachrichten zu verbreiten als Margarine oder Kochtöpfe zu verkaufen.

00:15:59: nun sind sie nicht der erste der gewechselt ist aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich.

00:16:02: erinnert sei zum Beispiel an Ernst Dieter Luke oder an Dieter Kronzucker.

00:16:08: was war für Sie das Entscheidende Ihre eigene Meinung zu relativieren?

00:16:13: Es hat sich seitdem vieles verändert, und zwar bei den öffentlich-rechtlichen Sender.

00:16:20: Da ist auch die Politik zum Teil boulevardisiert worden.

00:16:27: Politische Gespräche werden jetzt auf einmal von Beckmann, von Biolek, von Kerner geführt – nichts dagegen!

00:16:35: Nur dass diese sich besonders für Entwicklungen im politischen Bereich interessierten ist wohl eine nicht zuhaltende Behauptung.

00:16:44: und da gewinnt ein Nachrichtensender wie NTV plötzlich eine neue Rolle.

00:16:51: Wer nach Informationen, wer nach Diskussionen, nach ernsthafter Diskussion sucht findet sie eben gerade dort und ich glaube dass es da Veränderungen, Verlagerungen gibt.

00:17:08: Warum hat sich das öffentlich-rechtliche Medium für Sie nicht interessiert oder umgekehrt?

00:17:11: Warum sind sie nicht mit einer neuen Herausforderung an ZDF

00:17:14: getreten?".

00:17:16: Naja, das müsste man des ZDf fragen.

00:17:20: Ich sehe jedenfalls in dieser neuen Aufgabe für mich eine reizvolle Tätigkeit wenn man so im politischen Journalismus bleiben will.

00:17:32: Aber Sie treten in Konkurrenz zu Sabine Christiansen an.

00:17:35: Wären Sie jetzt als Verräter vielleicht intern gehandelt?

00:17:38: Ach, das glaube ich nicht.

00:17:39: Dazu kennen wir uns zu gut und gehen viel zu kollegial bis freundschaftlich miteinander rum.

00:17:46: Das sind Programme in Großsendern die ganz andere Erwartungen auch an die Zuschauerzahl haben.

00:17:56: Bei uns ist es bei NTV eine zusätzliche Weiterführung des Nachrichtenauftrags in der Diskussion.

00:18:07: In einer, wie ich hoffe, herrnsthaften Kontroversen und hoffentlich auch intelligenten

00:18:15: Debatte.".

00:18:16: Die Einschaltkotenspielen bei den öffentlich-rechtlichen auch eine Rolle – wie man bei Sabine Christiansen sieht wird damit auch geworben das dort sehr viel zuschauen.

00:18:25: Welche Vorgaben hat man Ihnen gemacht?

00:18:27: In einem marktwirtschaftlich organisierten Sender was müssen Sie

00:18:29: bringen?".

00:18:31: Da zeigt sich die ganze Veränderung,

00:18:33: von der ich sprach.

00:18:35: Bei den Öffentlich-Rechtlichen werden inzwischen Erwartungen ganz klar formuliert an die Quote und wer sie nicht erfüllt für denen wird es schwer.

00:18:47: Das ist in einem Sprachtensender wie NTV gar nicht der Fall.

00:18:51: man hat mir kein Ziel gesetzt und keine Marge angegeben, sondern ich kann die Sendung so machen wie ich sie will mit den Leuten, die ich für richtig halte.

00:19:02: Ich kann meinen Journalismus – wie ich ihn mir vorstelle als Dienstleistung für den Bürger – dafür

00:19:09: wirklich.".

00:19:10: Was wird man also am neunzwanzigsten regelmäßig sehen?

00:19:13: Werden aber vielleicht schon am zweinzwanzigersten im Wahlabend?

00:19:16: Wie sieht der Journalismus-Bresser aus auf NTV?

00:19:20: So seriös!

00:19:23: kontrovers, so auf Antworten bestehend wie der alte Journalismus von Bresse.

00:19:30: Die neue Tätigkeit sorgte im ZDF für Unverständnis.

00:19:34: Sendersprecher Walter Kerr wurde im Fokus folgendermaßen zitiert viele Kollegen sind empört dass sich ihr ehemaliger Chefredakteur dazu hinreisen lässt im Interesse einer durchsichtigen PR Kampagne seine eigene erfolgreiche Arbeit für das ZDf zu verleugnen und schlecht zu reden.

00:19:53: Und AD-Torker Reinhold Beckmann wird im selben Fokus heftig zitiert, Bresser ein kritischer Journalist.

00:20:01: Ich kann mich all in den Jahren an keine kritische Frage dieses Kollegen

00:20:05: erinnern.".

00:20:06: Da hatte Reinold Beckmann offenbar Erinnerungslücken – denn Klaus Bresser war es der dem Bundeskanzler und damaligen CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl diese Frage zu den Schwarzen Kassen der CDU stellte.

00:20:23: Ist Spendengeld an der Parteikasse vorbeigeschleust worden?

00:20:26: Das ist ein klarer Verstoß gegen Recht und Gesetz.

00:20:30: Warum haben Sie das gemacht?

00:20:32: Ich habe Spenden, ich sage es noch einmal, angenommen zwischen threehundessig bis neunzehnhundert achtenneinzig in der Größenordnung zwischen anderthalb und zwei Millionen

00:20:42: Mark.

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